POTENTIALE VON DESIGN THINKING
IN DER FINANZINDUSTRIE: EIN CAPCO EVENT

POTENTIALE VON DESIGN THINKING IN DER FINANZINDUSTRIE: EIN CAPCO EVENT

Design Thinking ist ein nutzerzentrierter, leistungsorientierter Ansatz, der bestehende und unbekannte Probleme identifiziert, abgrenzt und Ideen für Lösungen entwickelt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf interdisziplinärer Teamarbeit, Empathie für den Kunden und iterativem, radikalem Denken. Design Thinking ist seit einiger Zeit in vielen Branchen fester Bestandteil des Innovationsansatzes. Insbesondere die Dienstleistungs- sowie die Technologiebranche hat zuletzt von diesem neuen Ansatz profitiert: Teams aus verschiedenen Abteilungen werden zusammengebracht – und in enger Kooperation mit den Zielkunden werden neue Ideen und Umsetzungschancen erarbeitet.

Bei einer Veranstaltung am 7. Mai in Frankfurt kamen 50 Fachleute, darunter Akademiker und Praktiker aus der Finanzdienstleistungsindustrie, mit Experten von Capco zusammen, um ihre Meinungen und Erfahrungen zum Thema auszutauschen.

"Im Wesentlichen geht es beim Design Thinking darum, "gesunde Reibung" zu erzeugen und so das Potenzial für gute Ideen zu verbessern", betonte Stephan Manz, Partner bei Capco Deutschland. "Die Finanzdienstleistungsbranche in Deutschland befindet sich noch in der Anfangsphase bei der Implementierung des Ansatzes. Sie erkennt gerade, dass das Konzept weit darüber hinausgeht, bunte Büros einzurichten und die Kleiderordnung für die Mitarbeiter aufzuheben." Vielmehr gehe es darum, kontrollierte Risiken einzugehen, fügt Manz hinzu: "Risiko ist Teil des täglichen Geschäfts der Finanzindustrie, daher sollte Design Thinking Teil der DNA jeder Bank sein."

Die Veranstaltung begann mit einer Keynote von Prof. Dr. Katharina Hölzle, Professorin für Innovationsmanagement und Entrepreneurship an der Universität Potsdam, die ihre Erfahrungen mit der Umsetzung von Design Thinking in vielen deutschen Unternehmen darlegte.

Professorin Hölzle bot einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Einsatzfelder und erläuterte, wie der Ansatz Unternehmen im Laufe der Zeit verändern kann. Die zentrale Frage, die es zu Beginn des Prozesses zu beantworten gelte, ist: Was ist eigentlich das Problem, welches zu lösen ist? Häufig bestehe das Problem darin, dass Unternehmen die falschen Fragen stellen – der Schlüssel liege vielmehr darin, die Dinge aus der Sicht der Nutzer und ihrer spezifischen Bedürfnisse zu betrachten. Mit einer klaren Problemabgrenzung kann ein interdisziplinäres Team mit Hilfe von Design Thinking eine gemeinsame Sprache und einen Prozess finden, um Ideen zu entwickeln und die Nutzer beim Problemlösungsprozess zu integrieren. Ist der Vorschlag wirklich das, wonach sie suchen, oder sollte eine andere Richtung eingeschlagen werden? "Wir tendieren dazu, immer sofort eine Lösung parat zu haben", sagte Professorin Hölzle. "Aber sehr oft ist es viel besser, zuerst zu beobachten, zuzuhören und herauszufinden, was der Kunde braucht. Echte Innovationen entstehen an der Schnittstelle von Technologie, Wirtschaft und menschlichen Werten.“

Design Thinking kann eine Verbindung zwischen Menschen aus verschiedenen Kompetenzen und Geschäftsbereichen bieten. Der Ansatz ermöglicht es, Fachwissen einzubringen, diverse Fähigkeiten zu kombinieren und trägt ferner dazu bei, die Perspektive und das Denken einer Person oder eines Teams zu erweitern.

Um diesen Punkt zu erreichen, muss Design Thinking in die Denkweise und Werte eines Unternehmens eingebettet werden. Erst dann kann ein Unternehmen wirklich anfangen, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, schnelle und iterative Prozesse zu schaffen und gleichzeitig Raum für mögliches Scheitern zuzulassen. Dies hilft dabei, sich auf eine nach wie vor nicht prognostizierbare Zukunft vorzubereiten. Die Unterstützung durch das Top-Management ist entscheidend, um diese positiven Auswirkungen im gesamten Unternehmen zu erzielen.

Es folgte eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Capco Partner Stephan Manz. Das Panel war besetzt mit Katharina Berger (Deutsche Bank), Markus Birkelbach (DZ Bank), Lucie Haß (Helaba Digital), Kristian Schneider (KfW), Dr. Ruth Kümmerle (Allianz Gobal Investors) und Arjun Muralidharan (Capco Schweiz), von denen die meisten derzeit Design Thinking in ihren jeweiligen Institutionen vorantreiben.

Markus Birkelbach von der DZ BANK identifizierte eine der größten Herausforderungen darin, dass Organisationen dazu neigen, auf die bestehenden Strukturen zurückzugreifen, so dass es für die Etablierung neuer Denkweise oft ein langer Weg ist. Man bemerke zum Beispiel immer wieder, dass es noch schwer falle nicht die Kunden in den Fokus der Aktivitäten zu stellen, sondern weiterhin zu stark aus Sicht der eigenen Produktwelt zu denken. Katharina Berger ihrerseits wies darauf hin, dass Design Thinking zwar zunächst als Instrument zur Umsetzung radikaler Innovationen anerkannt wird, die Institutionen aber erst wirklich an ihrer internen Kultur arbeiten müssen, um das Beste daraus zu machen.

Lucie Haß von der Helaba Digital plädierte für eine realistische Umsetzung: „Unternehmen müssen eine Vision des Design Thinkings verfolgen, die über Stereotypen hinausgeht. Die bunte, kreative und innovative Ideenwelt des Design Thinking lässt sich nicht unangepasst mit der Brechstange auf jede Branche übertragen.“ Vielmehr sei es essentiell, das Vorgehen individuell an die jeweilige Organisation anzupassen.

Dr. Ruth Kümmerle von Allianz Global Investors betonte die Bedeutung des menschlichen Aspekts für Design Thinking. So sei es unerlässlich, Platz im Unternehmen für diejenigen zu schaffen, die bereit sind, die richtigen Fragen zu stellen. Kristian Schneider von der KfW wiederum zeigte sich für die Banken sehr optimistisch. Bei früheren Arbeitgebern wie Google habe er bereits Strukturen kennengelernt, bei denen Innovation Teil der Unternehmens-DNA war,  bei den Banken gebe es aber gerade aufgrund der bis dato konservativen Ausrichtung noch extrem große Chancen für einen Neuanfang mit der Hilfe von Design Thinking.

Arjun Muralidharan von Capco Schweiz lieferte die kurze Zusammenfassung eines aktuellen Design Thinking-Projekts bei einer Schweizer Bank. Er erläuterte, wie Design Thinking neue Ideen ermöglichte und letztlich dank der Einbeziehung von Kunden erkannt wurde, dass die Bank viel zu viele Produkte anbot, die die Kunden eigentlich nicht brauchen.

Der Abend endete mit einem Schlusswort sowie einem Dankeswort von Stephan Manz an die Besucher. Dieser betonte noch einmal die Möglichkeiten des Ansatzes, die in den kommenden Jahren sicherlich an Bedeutung gewinnen werden. Im Anschluss daran eröffnete Manz die gemeinsame Diskussion.

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